Wegbegleiter

Wo Pläne wurzeln und Ideen Blüten treiben

‚Das ist Argentinische Minze, unempfindlich, wüchsig und mit einem phantastischen Aroma. Die verwendet kein Mensch, das ist so schade’. Bevor Jörg Geiger Zeit hat, über die Minze nachzudenken ist Dieter Gaissmayer schon beim nächsten Topf: die Austernpflanze, die nach Meer schmeckt. Daneben der Chinesische Gewürzstrauch. Und die Duftpelargonien muss er Jörg Geiger zeigen: ‚die haben ganz spannende Aromen, Pfefferminze, Schokolade und Rose. Und wusstest Du, dass beim Griechischen Bergtee das gesamte Aroma im Stengel sitzt und nicht im Blatt?’ Wenn man Dieter Gaissmayer zuhört, dann ist die Staudengärtnerei vor allem ein Refugium für Neuankömmlinge, Samen und Setzlinge – wo sonst könnte er alle die Pflanzen unterbringen und vermehren, über die er gelesen oder von denen er gehört hat und die über Freunde, Gärtnerkollegen und Wissenschaftler den Weg zu ihm finden? Zum Beispiel die Minze, die jemand auf Kuba im Haus des Schriftstellers Ernest Hemmingway entdeckte. Ein Ableger überlebte die Reise bis nach Illertissen und inzwischen ist die Hemmingway oder Mojito-Minze bekannt und etabliert.

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Dieter Gaissmayer fasziniert die Vielfalt, die Möglichkeit, immer wieder Neues zu entdecken. Und es geht ihm um Netzwerke in denen Wissen von, um und über Pflanzen zusammen kommt, weiter gegeben wird, zu Neuem inspiriert. Die Staudengärtnerei sieht er dabei als ‚ein Refugium in dem Menschen, Pflanzen und Tiere interagieren und es allen
gut geht’.


Seit seinem ersten Beruf als Drogist, in dem er damals noch lernte, mit Heilpflanzen umzugehen, faszinieren ihn Pflanzen-Geschichte und Geschichten: ‚Man muss riechen, schmecken und tasten – was hat uns diese Pflanze zu sagen.’ Für ihn ist jeder Rundgang im Garten neu, anders und manchmal auch deprimierend. ‚Garten ist die Schule der
Emotionen’, grinst er.

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Jörg Geiger und Dieter Gaissmayer begegneten sich Ende der 90iger Jahre. ‚Seitdem gehen wir gemeinsam auf Entdeckungsreise und teilen die Faszination dieser aromatischen Kräuter’, sagt Gaissmayer. ‚Im Gespräch mit Dieter sind
Ideen für ganz außergewöhnliche Kombinationen von Kräutern für einige der PriSeccos entstanden’, sagt Jörg Geiger. ‚Es ist mir ein Anliegen, dass der Schatz, der in den Pflanzen ruht, in die richtigen Hände kommt und jemand etwas damit macht. Mein Wissen ist an diesem Punkt zuende, es braucht jemanden, der den Ball aufnimmt’, sagt Dieter Gaissmayer
und schaut Jörg Geiger an. ,Wir produzieren keine Pflanzen, wir kultivieren sie. Wir sind Kulturschaffende.’


Und dann eilt Gaissmayer schon wieder weiter, entlang der von Pflanzenkübeln gesäumten Gewächshäuser. Die Zeit drängt und Jörg Geiger muss noch so viele anschauen, riechen, schmecken, fühlen...

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